Schöne Route ohne Autobahn planen: ein Tourenguide für Roller und Motorrad

4. Februar 2026 · von Roel van Roozendaal

Rollerfahrer auf einer ruhigen Landstraße bei Berlin, im Hintergrund Felder und Bäume statt Autobahn.

Die meisten Navigations-Apps haben ein einziges Ziel: dich so schnell wie möglich von A nach B zu bringen. Für den Weg zur Arbeit ist das oft genau richtig. Für eine schöne Ausfahrt am Sonntag ist es das Gegenteil von dem, was man will. Die schnellste Strecke führt über Schnellstraßen, durch Gewerbegebiete und an Lärmschutzwänden entlang, und am Ende fragt man sich, warum man überhaupt rausgefahren ist.

Ich fahre selbst ein kleines Zweirad und baue Urban Rider, die App, die ich am Ende dieses Texts vorstelle. Lies mich also als interessierte, aber ehrliche Quelle. In diesem Guide geht es darum, wie du eine Tour planst, die Autobahnen und dichten Verkehr meidet und stattdessen über Flusstäler, durch Wälder und entlang von Seen führt. Das meiste davon gilt für jeden Roller, jedes Moped und jedes Leichtkraftrad in Deutschland, Österreich und der Schweiz.

Was eine gute Zweirad-Route ausmacht

Bevor man eine Strecke zeichnet, lohnt es sich zu klären, was eine Route auf zwei Rädern überhaupt schön macht. Aus meiner Erfahrung sind das vor allem diese Punkte:

Warum Roller und Mopeds ohnehin nicht auf die Autobahn gehören

Der wichtigste Grund, Autobahnen zu meiden, ist keine Geschmacksfrage, sondern Gesetz. In Deutschland dürfen Autobahn und Kraftfahrstraße nur von Kraftfahrzeugen mit einer bauartbedingten Höchstgeschwindigkeit von mehr als 60 km/h benutzt werden. Ein Kleinkraftrad mit der Führerscheinklasse AM, also bis 50 ccm oder 4 kW und auf 45 km/h begrenzt, fällt damit klar raus.

In Österreich ist ein Moped ebenfalls auf 50 ccm und 45 km/h Bauartgeschwindigkeit definiert, und auch hier sind Autobahn und Autostraße tabu. In der Schweiz braucht ein Fahrzeug mindestens 80 km/h, um auf die Autobahn zu dürfen, ein Kleinmotorrad mit 45 km/h kommt also gar nicht infrage, ein klassisches Mofa mit Tempo 30 erst recht nicht.

Anders sieht es mit einem Leichtkraftrad der Klasse A1 aus, also einem 125ccm-Roller. Der hat in Deutschland keine gesetzliche Geschwindigkeitsbegrenzung und erreicht oft rund 110 km/h, dürfte also theoretisch auf die Autobahn. Wer aber eine schöne Strecke sucht, hat dort trotzdem nichts verloren. Wenn dich die rechtlichen Unterschiede genauer interessieren, habe ich sie in eigenen Texten zu Roller auf der Autobahn und zum Führerschein für Roller und Moped aufgeschrieben.

Mit Autobahn-Vermeidung und Straßentyp-Einstellungen planen

Der schnellste Weg zu einer schönen Route ist, der App von Anfang an zu sagen, was sie meiden soll. In den meisten Auto-Apps versteckt sich diese Funktion in den Routenoptionen: Bei Google Maps tippst du nach Eingabe des Ziels auf die drei Punkte und wählst unter den Optionen, dass Autobahnen vermieden werden sollen. Der Haken: Diese Einstellung gilt oft nur für die aktuelle Fahrt, und die App kennt deinen Fahrzeugtyp trotzdem nicht. Sie meidet die Autobahn, schickt dich aber bereitwillig auf eine breite, schnelle Bundesstraße.

Hier setzt der eigentliche Unterschied an. Urban Rider meidet im Roller- und Moped-Profil Autobahnen und schnelle Schnellstraßen standardmäßig, weil dein Fahrzeug dort gar nicht fahren darf. Du musst nichts wegklicken. Für das Motorrad-Profil kehrt sich das um: Schnellere Straßen sind erlaubt, und du entscheidest in den Einstellungen, welche Straßentypen die Route nutzen darf und welche nicht. So baust du dir je nach Laune eine zügige oder eine besonders ruhige Tour. Wer ohne fest verbaute Halterung fährt, findet praktische Hinweise in meinem Text zur Handy-Navigation auf dem Roller.

Nebenstraßen, Fluss- und Waldrouten finden

Die schönsten Strecken liegen fast nie auf der Hauptverbindung zwischen zwei Städten. Sie liegen daneben. Ein paar Methoden, mit denen ich gute Nebenstrecken finde:

Wald- und Höhenstrecken haben einen eigenen Reiz, brauchen aber etwas Vorsicht. Im Schatten bleibt der Belag länger feucht, und im Frühjahr und Herbst liegt morgens manchmal Laub oder Rollsplitt. Plane solche Abschnitte eher für die warmen Stunden des Tages ein.

Drei Streckenideen für Deutschland, Österreich und die Schweiz

Diese drei Regionen eignen sich gut für ruhigere Maschinen, weil sie auf gut ausgebauten Land- und Nebenstraßen liegen und ohne Autobahn erreichbar sind. Für einen reinen 45-km/h-Roller wählst du jeweils kürzere Abschnitte, ein 125er fährt die ganze Runde locker.

Moseltal zwischen Cochem und Beilstein

Die Strecke entlang der Mosel ist flach, kurvig und folgt dem Fluss durch Weinberge und alte Winzerdörfer. Cochem mit der Reichsburg ist ein guter Startpunkt, Beilstein, oft das Dornröschen der Mosel genannt, ein lohnendes Ziel. Die Talstraße lässt sich gut in kurze Etappen teilen, mit Cafés und Tankstellen in fast jedem Ort. Ideal für einen entspannten Halbtag auf jedem Roller.

Schwarzwald: Panoramastraße statt Schwarzwaldhochstraße

Die berühmte Schwarzwaldhochstraße zieht auf rund 60 Kilometern Motorräder aus ganz Europa an und ist an schönen Wochenenden entsprechend voll. Die ruhigere Alternative ist die etwa 70 Kilometer lange Schwarzwald-Panoramastraße zwischen Waldkirch im Elztal und Hinterzarten, mit weiten Ausblicken und sanfteren Kurven. Wegen der Steigungen eignet sie sich besser für ein 125er als für einen schwachen 50ccm-Roller. Starte früh, dann hast du die Aussichtspunkte fast für dich.

Wachau und Salzkammergut in Österreich

Die Wachau zwischen Melk und Krems gehört zu den schönsten Flusslandschaften Mitteleuropas: eine entspannte Strecke entlang der Donau durch Weindörfer, weitgehend flach und für jede Maschine machbar. Wer mehr Zeit hat, fährt weiter ins Salzkammergut, wo die Straßen an Wolfgangsee, Attersee und Traunsee entlangführen. Auch in der Schweiz gibt es ruhige Reviere, etwa das Seetal an der Grenze von Aargau und Luzern, mit kleinen Straßen zwischen Hallwiler- und Baldeggersee.

Die Tour so legen, dass du dem Verkehr ausweichst

Selbst die schönste Strecke verliert ihren Reiz im Stau. Timing entscheidet fast genauso viel wie die Streckenwahl:

Tank- und Ladestopps richtig setzen

Ein 50ccm-Roller kommt mit einer Tankfüllung je nach Modell oft 150 bis 250 Kilometer weit, ein Elektroroller je nach Akku häufig nur 50 bis 120 Kilometer. Das klingt nach genug, wird auf einer Tour mit Umwegen aber schnell knapp. Plane den Tankstopp lieber einen Ort zu früh als einen zu spät, gerade in dünn besiedelten Tälern, wo die nächste Tankstelle weit sein kann.

Für Elektroroller ist die Ladeplanung Teil der Routenplanung. Urban Rider zeigt dir Ladestationen entlang der Strecke mit Leistung, Netzwerk und Entfernung an, damit du nicht mit der Reichweite pokerst. Wie viel ein realer Akku im Alltag hergibt und worauf es beim Laden ankommt, habe ich im Text zu Reichweite und Laden beim Elektroroller ausführlicher behandelt. Welcher Antrieb für längere Touren überhaupt der richtige ist, beleuchtet der Vergleich Elektroroller gegen Benziner.

Sicherheit auf der Landstraße

Die Landstraße ist statistisch gefährlicher als die Stadt, weil dort schneller gefahren wird und Gegenverkehr, Wild und unübersichtliche Kurven zusammenkommen. Ein paar Grundregeln, die ich mir auf jeder Tour vornehme:

Viele Stadtroutinen lassen sich übrigens auf die Tour übertragen. Wer regelmäßig in der Stadt fährt, findet konkrete Hinweise in meinen Texten zu Roller-Sicherheit in der Stadt und zum Rollerfahren in Berlin.

Wie Urban Rider das Ganze einfacher macht

Das ist die App, die ich selbst baue, also gewichte das entsprechend. Urban Rider ist entstanden, weil keine der großen Apps von einem Zweirad aus denkt. Statt eine Auto-Route nachträglich anzupassen, startet die App bei deinem Fahrzeug.

Wählst du ein Roller- oder Moped-Profil, sind Autobahnen, schnelle Schnellstraßen und viele Tunnel standardmäßig ausgeschlossen. Die Ankunftszeit wird mit realistischen Zweirad-Geschwindigkeiten gerechnet, nicht mit dem Durchschnittsauto. Du kannst Kopfsteinpflaster, Schotter und Kies meiden lassen, was auf einer Tour über Land Gold wert ist. Auf der Fahrt zeigt der Minimale Modus nur die nächste Abbiegung, die Distanz und dein Tempo, und die nächste Anweisung erscheint auf der Apple Watch, sodass das Handy am Lenker bleiben kann.

Ehrlich bleibt auch das: Urban Rider ist jünger und kleiner als die großen Anbieter, läuft aktuell auf iOS und ist für Android in der offenen Beta. Für reine Kurvenjagd auf einer großen Maschine gibt es spezialisierte Touren-Apps, und welche davon wann passt, vergleiche ich im Überblick zu den besten Navigations-Apps für Roller und Moped. Wer noch zwischen 50 und 125 Kubik schwankt, findet im Vergleich 50ccm gegen 125ccm die wichtigsten Argumente.

Der Kerngedanke ist einfach: Eine schöne Tour beginnt nicht mit dem Ziel, sondern mit der Frage, welche Straßen du fahren willst. Eine Navigation, die von deinem Fahrzeug aus denkt, nimmt dir die mühsame Handarbeit ab und schickt dich von selbst dorthin, wo es sich auf zwei Rädern wirklich lohnt.

Häufige Fragen

Darf ich mit einem Roller oder Moped auf die Autobahn?

Nein. In Deutschland sind Autobahn und Kraftfahrstraße nur für Fahrzeuge mit einer bauartbedingten Höchstgeschwindigkeit von mehr als 60 km/h zugelassen, ein auf 45 km/h begrenztes Kleinkraftrad fällt also raus. In Österreich und der Schweiz gilt dasselbe Prinzip: In der Schweiz braucht ein Fahrzeug mindestens 80 km/h, um auf die Autobahn zu dürfen. Wer schöne Strecken sucht, ist auf Land- und Nebenstraßen ohnehin besser aufgehoben.

Wie plane ich eine Route, die Autobahnen automatisch meidet?

In Urban Rider sind Autobahnen und Schnellstraßen in den Profilen für Roller und Moped standardmäßig ausgeschlossen, du musst also nichts manuell wegklicken. Für das Motorrad-Profil kannst du in den Einstellungen festlegen, welche Straßentypen erlaubt sind, und so auch breite Bundesstraßen oder Tunnel meiden. In Auto-Apps wie Google Maps musst du Autobahnen dagegen bei jeder Route von Hand abwählen.

Wann ist die beste Zeit für eine Tour, um Verkehr zu vermeiden?

Werktags zwischen etwa 7 und 9 Uhr sowie 16 und 18 Uhr ist auf den Zubringern am meisten los. Für eine entspannte Tour starte früh am Wochenende oder am späten Vormittag unter der Woche. Beliebte Strecken wie die Schwarzwaldhochstraße oder die Wachau füllen sich an schönen Sonntagen ab dem Mittag, ein Start vor 9 Uhr lohnt sich dort besonders.

Wie weit komme ich mit einem 50ccm Roller oder einem Elektroroller auf einer Tagestour?

Ein 50ccm Roller schafft mit einer Tankfüllung oft 150 bis 250 Kilometer, je nach Modell und Fahrweise. Elektroroller liegen je nach Akku häufig zwischen 50 und 120 Kilometern realer Reichweite. Plane Tank- oder Ladestopps daher in deine Route ein und gönne dir bei Strecken über 100 Kilometer ohnehin Pausen, denn Tempo 45 über Stunden ist anstrengender, als es klingt.

Brauche ich für eine schöne Tour ein spezielles Navi oder reicht Google Maps?

Google Maps funktioniert, ist aber für Autos gebaut und kennt keine Roller- oder Mopedklasse. Es schickt dich ohne manuelle Einstellungen auf die schnellste Strecke, oft über Schnellstraßen. Eine App wie Urban Rider startet beim Fahrzeug, meidet im Roller- und Moped-Profil Autobahnen standardmäßig und rechnet die Ankunftszeit mit realistischen Zweirad-Geschwindigkeiten. Für reine Kurvenjagd auf großen Maschinen sind spezielle Touren-Apps eine Alternative.

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