Wo darf ich mit dem E-Bike fahren?

7. August 2026 · von Roel van Roozendaal

Ein Radfahrer in der Stadt mit einer Navigations-App am Lenker.

Das Wort E-Bike verdeckt drei verschiedene Fahrzeuge mit drei verschiedenen Regelwerken. Wer das nicht weiß, fährt irgendwann auf einem Weg, auf dem sein Rad nichts zu suchen hat, und merkt es erst, wenn jemand es ihm sagt. Der teuerste Irrtum kostet nicht einmal Geld, sondern Strecke: mit dem falschen Rad verlierst du auf einen Schlag Radwege und Waldwege gleichzeitig.

Ich fahre selbst und baue Urban Rider, eine Navigations-App für kleine Zweiräder, also lies mich als interessierte, aber ehrliche Quelle. Was hier steht, stammt aus der StVO und den Landeswaldgesetzen, nicht aus meiner App.

Erst die Klasse, dann die Regel

Alles hängt daran, in welche Klasse dein Rad fällt. Entscheidend ist nicht das Aussehen, sondern wie der Motor arbeitet und wie schnell er unterstützt.

Was du fährstRechtlichWas das heißt
Pedelec
bis 25 km/h, Motor hilft nur beim Treten
FahrradKein Führerschein, kein Kennzeichen, keine Versicherungspflicht, keine Helmpflicht. Radwege erlaubt.
S-Pedelec
bis 45 km/h
KleinkraftradBetriebserlaubnis, Versicherungskennzeichen, Haftpflicht, Führerschein AM oder B ab 16, Helmpflicht. Radwege verboten.
E-Bike im Wortsinn
fährt per Gasgriff auch ohne Treten
Mofa oder Kleinkraftrad, je nach TempoWie ein Kleinkraftrad zu behandeln, nicht wie ein Fahrrad.

Was fast alle im Laden kaufen, ist ein Pedelec, und das ist rechtlich schlicht ein Fahrrad. Der Sprung passiert erst beim S-Pedelec, und er ist größer, als die 20 km/h mehr vermuten lassen.

Radweg: nur bei blauem Schild Pflicht

Ein weit verbreiteter Irrtum ist, dass man als Radfahrer immer den Radweg nehmen muss. Muss man nicht. Eine Benutzungspflicht besteht nur dort, wo eines der runden blauen Schilder steht: Zeichen 237 (Radweg), Zeichen 240 (gemeinsamer Geh- und Radweg) oder Zeichen 241 (getrennter Geh- und Radweg).

Steht kein blaues Schild, darfst du auf der Fahrbahn fahren, auch wenn daneben ein Radweg verläuft. Und ist der Radweg zugeparkt, vereist oder sonst nicht befahrbar, darfst du ebenfalls auf die Fahrbahn.

Für das S-Pedelec gilt das Gegenteil, und zwar hart: es gehört auf die Fahrbahn, Radwege sind tabu. Ein Kleinkraftrad hat auf dem Radweg nichts verloren, egal wie gut es sich dort führe. Genau das überrascht viele, die vom Pedelec aufs schnellere Modell wechseln: die gewohnte Strecke am Kanal entlang ist plötzlich keine Option mehr.

Wald: hier entscheidet dein Bundesland

Im Wald gilt kein Bundesrecht, sondern das Landeswaldgesetz deines Bundeslands. Deshalb kann dieselbe Fahrt in einem Land erlaubt und im nächsten eine Ordnungswidrigkeit sein. Grundsatz fast überall: Radfahren ist auf Waldwegen erlaubt, querfeldein nicht.

Baden-Württemberg ist der bekannte Sonderfall. Dort gilt seit 1995 die Zwei-Meter-Regel: Radfahren im Wald ist nur auf Wegen erlaubt, die mindestens zwei Meter breit sind. Baden-Württemberg ist damit das einzige Bundesland mit einer festen Mindestbreite, und die Regel steht 2026 weiterhin im Gesetz, trotz jahrelanger Diskussion darüber.

Nordrhein-Westfalen arbeitet gerade an einer Neufassung. Der Entwurf zur Änderung des Landesforstgesetzes, zu dem im Mai 2026 die Verbändebeteiligung startete, will Radfahren nur noch auf Straßen und Fahrwegen erlauben sowie auf Trails, die mit Zustimmung von Waldbesitzer und Forstbehörde gekennzeichnet sind. Fahrwege sind dabei Wege mit festem Untergrund, breit genug für zweispurige Fahrzeuge. Radverbände kritisieren, dass daraus praktisch eine Beschränkung auf breite Forstwirtschaftswege würde. Das Ministerium hält dagegen, dass keine Mindestbreite vorgeschrieben werde. Das Verfahren läuft noch, es ist also kein geltendes Recht, sondern etwas, das du im Auge behalten solltest.

Und dann die Regel, die den größten Unterschied macht: ein S-Pedelec darf gar nicht auf Waldwege, auch nicht auf die breiten. Es ist ein Kraftfahrzeug, und für Kraftfahrzeuge ist der Wald grundsätzlich zu. Wer sich ein schnelles Rad kauft, um damit auch am Wochenende raus zu fahren, verliert genau dort die schönsten Wege.

Feld- und Wirtschaftswege

Feldwege sind der unübersichtlichste Fall, weil hier je nach Land das Landesstraßengesetz, das Naturschutzrecht und manchmal auch das Waldgesetz zusammenspielen. Viele Wirtschaftswege sind zudem privat und nur für land- und forstwirtschaftlichen Verkehr freigegeben, erkennbar am entsprechenden Zusatzzeichen.

Für ein Pedelec ist das selten ein Problem, weil es als Fahrrad gilt. Für alles Schnellere gilt wieder: Kraftfahrzeug, also wahrscheinlich nicht erlaubt. Im Zweifel entscheidet das Schild am Wegbeginn, nicht das Gefühl.

Was das für deine Route bedeutet

Übersetzt in Streckenplanung heißt das: das Pedelec darf fast überall dorthin, wo ein Fahrrad hindarf, das S-Pedelec fährt im Straßenverkehr mit und muss Radwege und Wald auslassen. Zwei Räder, die im Laden nebeneinander stehen, ergeben völlig unterschiedliche Karten.

Auto-Navis machen hier beides falsch. Sie kennen deine Fahrzeugklasse nicht, rechnen mit Autotempo und schicken dich über Straßen, auf denen 25 km/h unangenehm sind, oder über Wege, die dein Rad nicht befahren darf.

Urban Rider plant nach Fahrzeugprofil statt nach Auto. Für ein Pedelec nimmst du das Fahrrad-Profil, dann bevorzugt die Route das Radnetz und ruhige Straßen. Für ein S-Pedelec passt das Moped-Profil besser, weil es für ein 45-km/h-Fahrzeug auf der Fahrbahn plant und Autobahnen und Kraftfahrstraßen von Haus aus meidet.

Und die ehrliche Grenze, denn sie ist der Punkt dieses Artikels: die App kennt nicht das Landeswaldgesetz deines Bundeslands und weiß nicht, ob dieser konkrete Waldweg zwei Meter breit ist. Sie plant für dein Fahrzeug, nicht für den Paragrafen. Was am Wegbeginn steht, entscheidest du.

Kurz zusammengefasst

Wie die 45-km/h-Klasse in den Nachbarländern geregelt ist, steht in S-Pedelec: Regeln nach Land. Und warum Auto-Navis kleine Zweiräder grundsätzlich falsch behandeln, erklärt dieser Artikel.

Eine Route, die zu deiner Fahrzeugklasse passt

Urban Rider plant nach Profil statt nach Auto: Fahrrad-Profil fürs Pedelec, Moped-Profil fürs S-Pedelec. Autobahnen und Kraftfahrstraßen bleiben standardmäßig draußen, die Ankunftszeit rechnet mit deinem echten Tempo. Kostenlos starten, kein Konto nötig.

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Häufige Fragen

Muss ich mit dem Pedelec immer auf dem Radweg fahren?

Nein. Eine Benutzungspflicht besteht nur dort, wo ein rundes blaues Schild steht: Zeichen 237, 240 oder 241. Fehlt das Schild, darfst du die Fahrbahn nehmen, auch wenn daneben ein Radweg verläuft. Ist der Radweg zugeparkt oder nicht befahrbar, darfst du ebenfalls auf die Fahrbahn ausweichen.

Darf ein S-Pedelec auf den Radweg?

Nein. Ein S-Pedelec bis 45 km/h gilt als Kleinkraftrad und gehört auf die Fahrbahn. Dazu kommen Betriebserlaubnis, Versicherungskennzeichen, Haftpflicht, Führerschein der Klasse AM oder B ab 16 Jahren und Helmpflicht. Ein normaler Fahrradhelm genügt dafür nicht, gefordert ist mindestens die Norm NTA 8776.

Darf ich mit dem E-Bike im Wald fahren?

Mit einem Pedelec in den meisten Bundesländern ja, aber nur auf Waldwegen und nicht querfeldein. Welche Wege zählen, regelt das Landeswaldgesetz deines Bundeslands, deshalb kann die Antwort hinter der Landesgrenze anders ausfallen. Ein S-Pedelec darf grundsätzlich gar nicht auf Waldwege, auch nicht auf breite, weil es ein Kraftfahrzeug ist.

Was ist die Zwei-Meter-Regel in Baden-Württemberg?

Baden-Württemberg erlaubt Radfahren im Wald nur auf Wegen ab zwei Metern Breite. Die Regel steht seit 1995 im Landeswaldgesetz und gilt 2026 weiterhin, trotz langer Diskussion darüber. Baden-Württemberg ist damit das einzige Bundesland mit einer festen Mindestbreite.

Warnt mich eine Navigations-App vor gesperrten Waldwegen?

Zuverlässig nicht, und das gilt für jede App, auch für meine. Waldwege unterliegen Landesrecht, das sich von Bundesland zu Bundesland unterscheidet, und die Breite eines konkreten Weges steht in keinem Kartendatensatz. Eine App kann für deine Fahrzeugklasse planen, die Entscheidung am Wegbeginn triffst du anhand der Beschilderung.

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